Einblicke ins Home-Office

Die aktuelle Home-Office-Situation ist für viele neu und hat sowohl ihre Vor- als auch Nachteile. Welche Seite überwiegt hängt von vielen Faktoren ab und ist nicht für jeden gleich. Durch die Schließungen der KiTa’s und Schulen, leben einige Mitarbeiter momentan mit einer Doppelbelastung und versuchen ihren Arbeitsalltag und die familiäre Situation unter einen Hut zu bekommen. Also stellen sich einige Fragen: Wie sieht der normale Arbeitsalltag aus und lässt er sich im Home-Office genauso fortsetzen? Klappt der Kontakt zu Mitarbeitern und Kunden genauso wie vorher? Wie sieht es mit Projektarbeit aus und stimmt der Mythos, dass man im Home-Office wirklich produktiver arbeitet oder wir man doch eher abgelenkt? Dieser Blog-Beitrag soll all diese Fragen klären und die unterschiedlichen Sichtweisen von Mitarbeitern in unterschiedlichen Positionen zeigen.

Marketing

Home-Office aus der Marketing-Sicht ist viel mit ständigem Austausch verbunden und dieser findet nun entweder per Handy statt oder als Video-Konferenz. Daher ist Microsoft Teams ein viel genutztes Programm geworden.
Der morgendliche Anspruch an das eigene Erscheinungsbild ist trotz Videokonferenzen nicht unbedingt gestiegen. Wer sitzt schon in einer Video Konferenz mit Jeans vor dem Rechner? Es sieht ja eh keiner. Auch Frisur und Makeup sieht man mit Headset und Kamera in gefühlter SD-Qualität nicht deutlich genug, als dass man viel Zeit dafür verschwenden müsste. Die Verteilung der Arbeitszeit hat sich ebenfalls deutlich verschoben, weil einfach die Fahrtzeit wegfällt. Jeder, der einen etwas längeren Arbeitsweg hat, wird mir in folgendem Punkt sicher zustimmen: Der Weg zur Arbeit ist deutlich angenehmer. Man kommt nicht genervt vom Verkehr am Schreibtisch an, hat nicht vorher noch tanken müssen oder musste, auch aus zuvor genannten Gründen, keine zwei Stunden früher aufstehen.
Beim Eintragen der Anwesenheit in den Kalender für die nächste Woche kommen einem eigentlich nur zwei Gedanken: bloß nicht zu früh und wann ist Kollegin XY da, um Absprachen möglich zu machen, die teilweise fest geplant sind oder auch zwischendurch anfallen. Ohne Kind ist man da doch um einiges flexibler.
In der Zwischenzeit ermöglicht einem das Home-Office konzentriertes Arbeiten, ohne dass man unterbrochen wird. Ich schaffe Zuhause gefühlt mehr, als in derselben Zeit im Büro. Dafür bleibt der persönliche Austausch, auch zu privateren Themen, mit den Kolleginnen und Kollegen auf der Strecke. Kolleginnen, mit denen man sich vorher täglich nett unterhalten hatte, sieht und hört man leider kaum noch, da die Bereiche, in denen man arbeitet, einfach keine täglichen Absprachen benötigen.
Natürlich könnte man sich trotzdem gelegentlich anrufen und gemeinsam Remote einen Kaffee trinken, aber auf diese Idee kommt man nicht unbedingt, wenn man in seinem eigenen Arbeitstrott versunken ist. Mit den Kollegen chatten ist da dann doch flexibler und mache ich persönlich deutlich häufiger, auch während des Feierabends, als vorher.

IT-Beratung

Jochen:
„Seit inzwischen 10 Wochen arbeite ich ausschließlich im Home-Office. Da ich auch vorher schon immer die Möglichkeit hatte, problemlos aus dem Home-Office zu arbeiten, war es für mich keine organisatorische Umstellung. Auch die Arbeit von zu Hause über einen längeren Zeitraum konnten wir vor ein paar Jahren während eines mehrwöchigen Büroumbaus schon austesten.
Da meine Projektarbeit für den Kunden zu 100% remote geleistet wird, macht sich auch hier der Wechsel vom Büro ins Home-Office nicht bemerkbar. Termine finden weiterhin über diverse Meeting Tools statt, über die sie auch vor der Quarantäne schon stattgefunden haben und die Arbeit über Remotezugriffe ist nach leichten Startschwierigkeiten genauso möglich, wie es auch vor dem Home-Office der Fall war.
Lediglich die Zusammenarbeit in unserem TRIO-Team hat sich geändert. Sowohl die monatlichen Teamsessions, wie auch kleinere Absprachetermine finden jetzt in digitalen Besprechungsräumen statt und nicht mehr wie vorher in unseren Konferenzräumen.
Der größte Unterschied für mich ist die fehlende Interaktion mit den Kollegen außerhalb des eigenen Projektteams. Die Unterhaltungen auf der Terrasse in der Mittagspause, das kurze Gespräch an der Kaffeemaschine und das freundliche Lächeln bei Begegnungen auf dem Flur. Also all die Kontakte, für die man nicht extra einen Termin oder eine Videokonferenz einstellt, die aber einen großen Anteil am Wohlfühlfaktor in der Firma haben.
Auch das Fehlen der täglichen Radfahrt von und zur Arbeit durch die Braunschweiger Innenstadt macht sich deutlich bemerkbar. Sowohl die tägliche Bewegung an der frischen Luft, als auch die klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit fehlen. Generell verschwimmen im Home-Office die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit sehr schnell, wenn man sich dessen nicht bewusst ist. Ich persönlich neige dazu, im Home-Office längere und häufigere Pausen zu machen, sei es um richtig zu kochen statt nur schnell etwas aus dem Imbiss an der Ecke zu holen oder um einen Spaziergang zu machen, um den fehlenden täglichen Arbeitsweg auszugleichen. So zieht sich die Arbeit dann oft noch bis in die Abendstunden, wo ich unter anderen Bedingungen schon im Feierabend wäre.
Für mich hat es sich hier klar bewährt, trotz der Freiheiten und Möglichkeiten, die Home-Office mit sich bringt, auch ein paar gewohnte Abläufe aus dem Büroalltag beizubehalten, um für mich eine klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu bekommen.“

IT-Projektassistenz

Nathalie:
„Da der Bewegungsradius im Home-Office wesentlich kleiner ist, habe ich angefangen gleich morgens mit einer Runde Yoga in den Tag zu starten, was sich zeitlich durch den Wegfall meiner Anfahrt (aus Wolfsburg) sehr gut kompensieren lässt.
An der Arbeit an sich bei unserem Kunden hat sich nicht viel verändert – abgesehen davon, dass die Termine nun alle per Skype stattfinden. Dies funktioniert aber überraschend gut und ermöglicht einem mehr Flexibilität durch den Wegfall der Wegezeiten zwischen den Meetings. Grundsätzlich fokussiere ich mich im Home-Office mehr auf die wesentlichen Aufgaben. Allerdings leidet darunter besonders die Kommunikation zu den Kollegen, die im Büro immer so nebenbei stattfand. Wir haben zwar für unser Team einen virtuellen Pausenraum eingerichtet, der auch regelmäßig genutzt wird – dennoch ist der persönliche Kontakt der Aspekt, der mir im Home-Office besonders fehlt. Da ich nicht die einzige bin, der es so geht, bin ich mir aber sicher, dass wir die Arbeit in unserem Team zukünftig nur noch mehr zu schätzen wissen und der Teamzusammenhalt insgesamt durch diese Ausnahmesituation gestärkt wird.“

Entwicklung

Josha:
„Als Entwickler ins permanente Home-Office zu wechseln stellte sich für mich als größere Umgewöhnung dar, als zuerst angenommen. Ich dachte, dass ich mir nun so endlich eine angenehme Klangkulisse mit guter Musik schaffen kann, ohne die ganze Zeit Kopfhörer tragen zu müssen. Was für ein ergonomischer Vorteil! Genauso könnte ich meinen eigenen Schreibtisch mit der privaten Peripherie nutzen. Es stellte sich jedoch schnell heraus: Musik ist nicht alles und die schöne Tastatur möchte ich eigentlich auch nicht so schnell abnutzen. Das waren aber nur kleine Details, die sich mit wenig Aufwand ändern ließen.
Die technische Ebene stellte auch kein Problem dar: Den verschiedenen Entwicklertools ist es egal, wo der Computer steht, auf dem sie laufen. Auf webbasierte Programme wie Bugtracker und Code-Repositories kann oftmals per öffentlichem Internet zugegriffen werden, bei intern Erreichbaren hilft der VPN-Zugang, der auch schon immer existierte. Andere Programme werden für die Arbeit nicht benötigt, was Vieles stark vereinfacht. Der wirkliche Klemmer ist jedoch, dass man seine Kollegen nicht mehr ständig sieht. Selbst bei Entwicklern, die ja manchmal zu Unrecht als Einzelgänger oder Eigenbrötler verschrien werden, ist der direkte Kontakt wichtig. Kommunikation ist am einfachsten, wenn man sein Gegenüber sieht, Gestiken erkennen und auch leichte Änderungen in der Tonlage erkennen kann. Auch selektives Hören, also das Heraushören einzelner Stimmen aus einem Stimmenwirrwarr, scheint in einer Webkonferenz schlicht nicht zu funktionieren. All das macht das Zusammenarbeiten etwas schwerer und erfordert Umgewöhnung und Disziplin während digitaler Meetings.
Jedoch, trotz all dieser Schwierigkeiten, bin ich noch immer davon überrascht, wie reibungslos der Wechsel vom Arbeiten vor Ort zu Home-Office verlief. Einen messbaren Produktivitätsverlust gab es nicht. Ich könnte mir vorstellen, auch in Zukunft vermehrt von Zuhause zu arbeiten, hätte aber gerne wieder die Möglichkeit, regelmäßig meine Kollegen zu sehen.“

Projektmanagement

Miriam:
„Ein typischer Tag im Home-Office sieht für jeden bestimmt anders aus. Ich muss gestehen, es hat sich in den 8 Wochen, die ich nun schon nur noch von zu Hause arbeite, verändert.
Anfangs bin ich noch um 7 Uhr aufgestanden, habe geduscht mir „normale“ Kleidung angezogen, mir eine Banane und einen Tee zum Frühstück gegönnt und mich an meinen Rechner im Arbeitszimmer gesetzt. Hin und wieder fiel das Internet aus, das VPN wollte nicht so wie man selbst, aber im Großen und Ganzen funktionierte das Arbeiten an sich sehr gut. An sich war Home-Office für mich und meine direkten Kollegen, mit denen ich im Team zusammengearbeitet habe auch nichts Neues. Neu war nur, dass wir alle gleichzeitig aus dem Home-Office arbeiteten und nicht nur mal 1 oder 2 Personen und der Rest war im Büro. Ein normaler Arbeitstag der gegen 8 Uhr begann und gegen 16:30 Uhr endete.
Aber… wenn wir ehrlich sind, gab es ja auch nicht so viel Abendbeschäftigung. Netflix war irgendwann auch ausgelutscht und so begann langsam der Verfall oder sagen wir eher: eine Umstrukturierung des Tagesablaufs und eine bessere Nutzung der technischen Mittel.
Mittlerweile sieht der typische Home-Office-Tag zu Corona Zeiten etwas anders aus.

8:30 Uhr: Der Handywecker klingelt. Das Gute daran ist, man hat das Handy schon in der Hand und der Sperrbildschirm teilt mir schon brav mit, was die Kollegen im Frühsupport für Probleme hatten – Teams sei Dank. Es wird kurz ein Pulli übergezogen, der – sollte jemand Videochatten wollen – nicht nach Schlafanzug aussieht. Vor dem Weg ins Bad, wird der Rechner hochgefahren. Während die Zähne geputzt werden wird der Tee gekocht. Kurz Wasser ins Gesicht und Haare kämmen, noch kurz die E-Mails checken. Fertig – muss reichen.

9:00 Uhr: Stand-Up mit den Kollegen. Nur Ton – kein Bild. Zwar behaupten alle, dass sie nicht mehr im Bett sind, aber ich gehe davon aus, dass die wenigsten länger wach sind als ich. Na ok – vielleicht der Kollege dessen Kinder im Hintergrund seit 8 Wochen regelmäßig für Stimmung sorgen. Keine Kita, keine Grundschule – jeden Tag wächst das Mitleid. Nach ca. 10 Minuten eigentliches Stand-Up reden wir, um noch ein wenig Teamgefühl zu bewahren, über den alltäglichen Wahnsinn. Die meisten verabschieden sich dann mit den Worten, dass sie sich jetzt erstmal etwas zu Essen machen würden.

9:30 Uhr: Stand-Up mit dem Kunden über Skype. Auch denen fällt die Decke auf den Kopf, aber wir halten uns wacker. Aufgaben werden erledigt. Warum auch nicht, Sozialleben gibt es faktisch nicht mehr. Zum Abschied wird einem ein „Bleibt gesund!“ gewünscht und nicht mehr ein schöner Restarbeitstag.

10:45 Uhr: Ein Kollege aus dem Team schreibt im Gruppenchat, dass er mal eine Stunde zum Einkaufen ist. Wir haben irgendwann angefangen uns im Team abzumelden, wenn wir mal „ungeplant“ länger nicht am Platz sind. Das erspart Warten auf Antworten, die erst in einer Stunde kommen. Er soll ruhig gehen, dadurch, dass man abends eh nichts mit Freunden und Familie unternehmen kann, arbeiten wir alle zu den möglichsten und unmöglichsten Zeiten. Montagsfrüh im Stand-Up höre ich öfter so Sätze wie „Samstagsabends um 23 Uhr habe ich dann noch den Bug xy gefixt.“

13:10 Uhr: Gut gelaunt und mit nassen Haaren, da gerade frisch geduscht, sitze ich wieder am Rechner. Nachmittage sind in Zeiten von Corona eher langweilig. Gefühlt arbeiten alle vormittags. Da kommen E-Mails rein, werden Telefonkonferenzen abgehalten oder irgendjemand ruft einen an. Hat aber durchaus den Vorteil, dass man auch mal die anderen Aufgaben schafft, die man in Büros mit 6-8 Leuten dann eher nicht so schnell geschafft hat. Dokumentationen zu Software oder Betriebshandbücher werden plötzlich an einem Nachmittag fertig und nicht mehr verteilt über 3-4 Tage geschrieben.“

Fazit:

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass sich alle ganz gut mit der Situation arrangiert haben und auch die Vorteile nutzen, die die Home-Office Situation für sie persönlich so mit sich bringt. Die Produktivität scheint unter der Situation keinesfalls zu leiden.
Den Büroalltag vermissen dennoch alle ein bisschen, da Home-Office zuvor nie ein dauerhafter Zustand war und man die Kollegen trotzdem häufig gesehen hatte. Dass das zurzeit nicht der Fall ist, stört jeden, egal in welcher Abteilung sie arbeiten. Die Eintönigkeit, die die Krise auch in den Alltag nach der Arbeit bringt, macht es nicht unbedingt einfacher, das tägliche Arbeiten von Zuhause so wertzuschätzen, wie man es zu normalen Zeiten getan hätte.

Madeleine Reinwald
Marketing
Madeleines Leidenschaft ist die Verbindung von Design und Technik.
Als Content-Managerin kümmert sie sich im Marketing um die Gestaltung, aber auch um die technischen Verbindungen zu den Fachabteilungen.